|
||||||
| Geschichten | ||||||
| Alternative Zoologie | ||||||
| Das Kamel | ||||||
| Als ich gefragt wurde, ob ich im Orient Kamele gesehen hätte, musste ich die Antwort schuldig bleiben. Denn wie sollte ich die Tiere, die ich gesehen hatte, benennen: Kamele, Dromedare oder Trampeltiere? | ||||||
| Man glaubt sie nach der Anzahl ihrer Buckel unterscheiden zu können, aber die Ansichten sind geteilt. Manche behaupten Kamele hätten einen, Dromedare zwei und Trampeltiere drei dieser Ausbuchtungen. Andere sind ebenso überzeugt die Trampeltiere hätten zwei, die Kamele einen und die Dromedare gar keinen Höcker. | ||||||
| Das Problem wird noch verwickelter, wenn man bedenkt, dass Höcker der Plural von Hock ist, der Hock nämlich auf dem eine Person hocken kann. Ein Höcker müsste demzufolge aus mindestens zwei Erhebungen bestehen und zweihöckriges Tier wäre mit vier Buckeln ausgestattet. Ein solches Tier sah ich nie und bezweifle deshalb, dass es zweihöckrige Kamele, Dromedare oder Trampeltiere gibt. | ||||||
| Eine andere Erklärung des Höcker- oder besser Hockproblems scheint mir der Wahrheit näher zu kommen: Bekanntlich legt diese Tiergattung als Lasttiere in Karawanen riesige Wüstenstrecken zurück ohne Nahrung oder Trinkwasser aufnehmen zu müssen, weil sie von der Reserve zehren, die sich in den Höckern ansammelt während sie Oasen äsen. Die Höcker sind also nichts anderes als Wassersäcke, die auf langen Durststrecken ausgetrunken werden. Daraus folgt, dass ein Kamel seine Reise sehr wohl mit zwei Höckern antreten, unterwegs einen davon verbrauchen und mit einem einzigen Höcker oder besser Hock ankommen kann, oder dass ein einhöckriges Tier die Reise als höckerloses beendet. | ||||||
| Mit dieser Erklärung wäre das Problem der Benennung der Tiere und der Anzahl der Höcker entwirrt. Es gäbe dann entweder drei verschiedene Sorten dieser Wüstenschiffe, Kamele, Dromedare und Trampeltiere, aber keine feste Anzahl Höcker, oder die Teilung in verschiedene Arten ist irreführend, weil aus einem dreihöckrigen Trampeltier nach einer kurzen Durststrecke ein zweihöckriges Kamel, nach einer längeren ein einhöckriges Dromedar würde. Die Namen bezögen sich dann nicht auf einen physiologischen Unterschied, sondern auf einen physischen Zustand, der Veränderungen unterliegt. Dromedar, Kamel und Trampeltier wären denn ebensowenig Abarten einer Tiergattung wie Satter, Dickbäuchiger oder ein Glatzköpfiger Abarten der Gattung Mensch sind. | ||||||
| Es bleibt die Frage, warum es für das gleiche Tier drei verschiedene Namen gibt. Das wird wohl eines der grossen ungelösten Probleme der Menschheit bleiben, weil die arabische Sprache ethymologisch schwimmt und wissenschaftlicher Forschung nicht zugänglich ist. Arabisch kennt nämlich keine Schriftzeichen für Vokale. Je nach Gegend und Dialekt werden diese vertauscht oder durch andere ersetzt. Man sagt Mohamed oder Mahomed, Kamel oder Kemalpascha, Mekka oder Mokka, ebenso Dromedar oder Dramoder und Trampeltier oder Trempaltor. | ||||||
| Der Elefant | ||||||
| Elefant und Elfe stammen ethymologisch vom griechischen Wort "elaphros" ab, das "leicht" bedeutet. Die Elfen bleiben unter dem Rüssel des Elefanten versteckt und strecken nur ihre Beine, die Elfenbeine heraus. Man nennt dieses Zusammenleben verschiedener Lebewesen Symbiose. | ||||||
| Elefanten sind sehr nützlich: sie transportieren Maharadschas und zertrampeln Mungos, die einzigen Tiere, denen Schlangen nichts anhaben können. In Afrika helfen sie den Negern Ölfrüchte zu zermalmen. In Brasilien gibt es so viele Elefanten wie Muscheln am Meer. Sie dürfen aber nur in den Monaten gegessen werden, die kein R haben, denn das R ist giftig. | ||||||
| In Indien werden die Elefantinnen hauptsächlich wegen ihrer ausgiebigen Milchproduktion gehalten. Eine Elefantin liefert täglich das fünffache ihres Gewichtes Milch. Darum nennt man sie Dick-Euter. | ||||||
| Auf Ceylon war ich Zeuge, wie ein Elefant sich seiner Blähungen entledigte. Auf ein dumpfes Dröhnen währenddessen sich der Elefant ganz still verhielt und die Augen schloss, folgte ein heulender Quetschlaut und gleich darauf eine knatternde Salve sich überschlagender Schüsse, die in einen wahrhaft elephantösen Donner übergingen. Staubwolken wurden aufgewirbelt, erschreckte Gazellen stoben davon und die Bäume leerten sich von kreischenden Vögeln. Nach einer Weile war der Tumult beendet und der Elefant so abgemagert, dass sein schlaff gewordener Gurt tief unter seinem Bauche durchhing und gleich von spielenden Äffchen als Schaukel gebraucht wurde. Der Tonkünstler gab seiner Genugtuung über das Geleistete durch kleine Freudensprünge Ausdruck und ein listiges Lächeln umspielte seine Züge. | ||||||
| Der Wiederkäuer | ||||||
| Die Familie der Wiederkäuer besteht aus Vater Stier, Mutter Kuh und ihren Kindern, den Kälbern. Über Onkel Ochs wird, wie über Abelard, diskret geschwiegen. Seine Frau, die Tante Rind, hat nichts zu lachen. Das Fleisch der Tante und der Kindskopf sind sehr geschätzt. | ||||||
| Die Familienmitglieder können nur von hinten unterschieden werden: Wenn zwischen den Hinterbeinen ein Euter hängt, ist es eine Kuh. Ein geringeres Gehängsel deutet auf Stier, keines auf Ochs. In der Nähe hängt bei allen auch ein mistgebräunter Schwanz, aus dem man Suppe macht, die braune Ochsenschwanzsuppe. Mehrere Familien bilden eine Herde. In Amerika wird sie von Cowboys eingetrieben, in der Schweiz von Sennen verwaltet, in Indien von Mönchen geheiligt. Wie der Name besagt kauen die Kauboys ständig Kaugummi. Da auch die Kuh immer nur kauend angetroffen wird sollte auch sie Kaukuh oder englisch Kaukau heissen. | ||||||
| In der Schweiz werden den Kühen Glocken angehängt, um sie am Weglaufen zu hindern. Sie dienen auch dazu, die Sennen an die Melkzeit zu erinnern. Ist diese gekommen, so setzt sich der Senn auf einen Stengel, der ihm hinten angewachsen ist und zieht am Euter. Der Kuh gefällt das sehr. Man nennt das Sodomie. Die Milch ist das Produkt der Sodomie. | ||||||
| Der Ochse ist zur Milchproduktion nicht brauchbar, wohl aber für Liebig, der ihn verwurstet und für Maggi, der ihn versuppt. Die Ochsen nehmen das gelassen hin, weil sie wissen, dass der Mensch die Natur beherrscht. Nur Stiere rebellieren manchmal und rächen sich an Picadores die sie anstachen, indem sie ihre Hirten aufspiessen. Diese sehen darin nichts Unnormales, weil sie versichert sind. Die Versicherungen sind rückversichert, sodass der Ausgleich wiederhergestellt ist und die ewige Harmonie der Natur gewahrt bleibt. Amen. | ||||||
| Die Giraffe | ||||||
| Das Wort Giraffe hat mit Affe nichts zu tun, vielmehr ist es aus einer sprachlichen Verschiebung aus dem Wort Karaffe gebildet worden, um die Langhalsigkeit zu charakterisieren. Zoologen und Biologen haben die These aufgestellt, die Länge des Giraffenhalses sei eine Wirkung der Entfernung des Kopfes der Giraffe von ihrem Körper. Sie entdeckten auch, dass der Giraffenkopf durch zwei lange Stifte im Hals verankert ist, damit er nicht herunterfällt. Die Enden dieser Stifte sieht man als Hörnerstummel herausragen. | ||||||
| Die Scharniere der Kniegelenke öffnen sich bei Giraffen nach aussen, damit die Beine so weit gespreizt werden können, dass der Giraffenbauch den Boden berührt. Nur so sind sie in der Lage das Gras zu pflücken. Sie nehmen diese unbequeme Stellung aber selten ein, weil in der Wüste wenig Gras wächst. Ihr gitterförmig geflecktes Fell dient der Tarnung, ihr Ungeziefer den Vögeln als Nahrung und ihre Exkremente den Baumeistern als Mörtel. | ||||||
| Giraffen haben einen stark abfallenden Rücken, damit jeder, der auf ihr reiten möchte, herunterrutscht. Die Tuaregkinder benutzen ihn als Rutschbahn. Im Vergleich zu ihrem mächtigen Körper haben Giraffen erstaunlich dünne Beine. Die weise Natur hat das so eingerichtet, damit sie möglichst Tief im Wüstensand versinken und dadurch so fest verankert sind, dass sie von Sandstürmen nicht umgeworfen werden können. Die ärgsten Feinde der Giraffen sind aber nicht die Sandstürme, sondern die Helikopter, durch welche sie in ständiger Gefahr schweben geköpft zu werden. | ||||||
| Die Schnecke | ||||||
| Die Schnecke lebt in matriarchalischer Gesellschaftsordnung. Der Name des Weibchens gilt für die ganze Familie. Nur die Weibchen besitzen Häuser, die sie mittragen und mit sich selbst zukorken, damit das Männchen, der Schneck, nicht hineinkann. Da er ausgeschlossen wird, muss er bei jedem Wetter nackt im Freien übernachten. Die Bezeichnung Nacktschnecke entstand aus überflüssiger Huldigung des weiblichen Geschlechts und sollte richtiger Nacktschneck heissen. | ||||||
| Die Weibchen sekretieren klebrigen Schleim den sie auf ihrem Weg zurücklassen um ihre Spur zu bezeichnen. Wie üblich kriecht ihnen der Schneck auf den Leim, und wird, nachdem er sie begattet hat von ihr aufgefressen. Schnecken sind nämlich ungeheuer gefrässig. So langsam sie sich fortbewegen so rasch haben sie einen ganzen Kohl gefressen. | ||||||
| Wie Vögel bauen Schnecken erst ihre Nester, die Schneckenhäuser, legen dann ihre Eier hinein und versuchen sie zu bebrüten. Da sie Kaltblütler sind fehlt ihnen aber die Brutwärme, sodass aus dem Brüten nichts wird. Das erklärt, warum so viele leere Schneckenhäuser herumliegen. | ||||||
| Der Hase | ||||||
| Der Hase ist ein höfliches Tier. Wenn er Menschen begegnet, pflegt er sich stets mit "Mein Name ist Hase" vorzustellen. Hasen sind auch sehr nützliche Tiere, sie dienen den Jägern als Zielscheibe und Skihandschuhfabrikanten als Zulieferer von Fellen. Bei der Hasenfamilie legen die Männchen Eier und fressen sie zu Ostern mit ihren Ohren, den Löffeln, auf. | ||||||
| Das Huhn | ||||||
| Die Hühnerfamilie gleicht einer französischen Ehe zu Dritt: sie besteht aus dem Hahn, seiner legalen Frau, der Henne, und seiner Konkubine, dem Huhn. Wenn der Hahn seinen ehelichen Pflichten nachgekommen ist, schreit er "Kikeriki", während die Henne "Gluck, gluck" macht. Das Huhn verhält sich bei dieser Gelegenheit schön still, um die Eifersucht der Henne nicht zu wecken. | ||||||
|